Anne Herzbluth

In meiner Arbeit geht es mir nicht unbedingt um Veränderung, sondern um das Bewahren. Um die Gewohnheit, unter die Oberfläche und ins Innere der Dinge zu blicken, vielleicht auch um den Blick in das Unenträtselbare.

Diese Rätsel sind wie ein Puzzle, dass nie vollständig ist. Die Collage gibt mir die Freiheit, entgegengesetzte Realitäten zu verbinden, sodass völlig andere und frei interpretierbare Bedeutungen entstehen. Die Bildinhalte bezeichnen (erzählen), aber sie verweigern eine unmittelbare Aufklärung. Es gibt eine Lücke zwischen dem, was gezeigt wird und der Geschichte, die der Betrachter nun selbst konstruieren muss. Oft arbeite ich mit Inhalten, die so „unwichtig“ sind, dass sie uns nicht erinnerungswert erscheinen, aber sie zu vergessen, würde uns zu anderen Menschen machen. Es ist ein subtiles Verständnis über die Gegensätze, die das Leben ausmacht. Die wichtigsten sind die schwerwiegenden Dinge und die liegen logischerweise am Boden.

All die verschiedenen Sprachen der Kunst versuchen nur eins: das Momentane in das Dauerhafte zu verwandeln. Ein Fundament, eine Basis zu schaffen für eine Ordnung der Dinge. Als eine Art von Antwort, was wir in der Natur nur gelegentlich wahrnehmen.

Mir geht es darum, Spuren zu hinterlassen. Ich bin hier, ich erleide Niederlagen, ich bin glücklich, ich bin traurig. Ich habe Ängste und ich bin voller Hoffnung. Ich habe eine Idee, ich verfolge sie und deswegen mache ich Bilder.

Letztendlich habe ich kein Interesse an Dingen, die ich komplett verstehe. Das Wissen, auf das Richtige gestoßen zu sein, ist wichtiger als das Verstehen. Es gibt Wahrheiten, die unter der Oberfläche der Bilder liegen, Wahrheiten, die sich nur sporadisch zeigen, wie Nordlichter am Winterhimmel. Was wir nicht fühlen, vergessen wir. Es geht mir darum, durch meine Arbeit Momente zu schaffen, in denen sich unsere Phantasie und die Wirklichkeit überschneiden. Das sind die Momente, in denen wir leben.